Der alte Mann und das Tor

bielefeld2.jpgErschreckend einfallslos rannte der FC Bayern – argwöhnisch von unseren Grantleraugen auf der Südkurve beobachtet – gegen den Bielefelder Catennaccio an, bis die Einwechslung von Mehmet Scholl endlich zählbares auf die Anzeigetafel brachte.

Was die Mannschaft davor auf dem Rasen präsentierte, grenzte stellenweise, wie schon beim DFB Pokal-Halbfinale am vorigen Mittwoch gegen den FC St. Pauli – so hart das jetzt auch klingen mag – an eine spielerische Bankrotterklärung. Es dauerte einfach zu lange bis die Münchener in ihrem eigenen Stadion, vor wieder einmal ausverkaufter Kulisse, zaghaft und wenig souverän die Initiative übernahmen.

Durchdachte Angriffe und Kombinationsfußball waren gegen die gut stehenden Bielefelder nicht zu erkennen, ja nicht mal Ansätze davon. Viel zu oft wurden die Bälle einfach lang und hoch nach vorne geschlagen (O-Ton Matze:“Die wissen da unten schon, das ein Jancker nicht mehr für uns spielt?“) und die Flanken (Welche Flanken denn bitte?) aus dem Halbfeld unpräzise in Richtung Eckfahne gedroschen. Wenn doch mal ein Spieler mit dem Ball bis zur Grundlinie durchkam, landete die AlibiFlanke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hinter dem gegnerischen Tor. Von den Fehlpässen im Mittelfeld will ich hier gar nicht erst anfangen…

So überraschte es auch nicht, dass die wenigen Torchancen gegen die Arminen eher zufällig als gewollt entstanden. Folgerichtig ging es torlos in die Halbzeitpause und die dürftige Leistung des FC Bayern wurde mit lautstarken Pfiffen und Buh-Rufen seitens der Fans quittiert.

bielefeld1.jpgIn der Anfangsphase der zweiten Halbzeit ging das Gegurke nahtlos weiter: Bayern kopflos anrennend und Bielefeld nur auf die Defensive bedacht. Erst das Dribbling des fünf Minuten vorher für den herrlich uneffektiven Ze Roberto eingewechselten Mehmet Scholl leitete schließlich das erlösende 1:0 ein in der 69 Minute ein. Dafür musste erst der Ball vom alten Mann über links in den Strafraum gebracht werden, der dann von Pizarro an Ballack weitergeleitet wurde. Dessen Schuss traf zuerst den linken Pfosten, prallte dann aber von dort an den Rücken von Matthias Hain und dann glücklich ins Tor. Fünf Minuten später versenkte Scholl dann selbst einen Querpass von Lahm zum 2:0 Endstand.
Dass ein 35jähriger Mehmet Scholl als Joker diese immens wichtigen 3 Punkte holen muss, will mir zwar noch nicht so richtig in den Kopf, aber ich freue mich trotzdem darüber, dass es am Ende noch geklappt hat

Ein mühsamer Sieg in einem Graupenkick gegen einen überraschend harmlosen Gegner, der mal wieder gezeigt hat, wie gering das spielerische Potential dieser Bayern-Mannschaft ist und wie dringend wir unter anderem einen echten Mittelfeldregisseur benötigen, auch und vor allem für höhere, europäische Weihen. Wie wichtig diese 3 Punkte waren, wird sich übrigens ganz am Ende noch zeigen.

2 Gedanken zu “Der alte Mann und das Tor

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