Pizarros Schuss ins Abseits

Bayern hat trotz schlechter Chancenverwertung mit dem 2:0 den erwarteten Pflichtsieg gegen überraschend verunsichert wirkende Frankfurter geholt. Soll erfüllt und volle Konzentration auf das Spiel gegen Sporting Lissabon könnte man sich jetzt eigentlich denken. Aber nur eigentlich, denn was sich Pizarro nach dem Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Meyer geleistet hat, verdient eine genauere Betrachtung.

Nicht nur das der Peruaner über die gesamte Spielzeit hinweg vorne die Bälle verstolperte, er wirkte auch irgendwie übermotiviert und eigensinnig, dazu ließ er auch noch einige brauchbare Chancen aus, um aus dem Spiel heraus sein Tor zu schießen. Die dem Elfmeter vorausgehende Schwalbe und der folgende Fehlschuss war nur die „Krönung“ dieses Nachmittags.

Ich möchte zu gerne wissen was Felix Magath und der etatmäßiger 11m-Schütze Roy Makaay, sowie die gesamte Mannschaft zu ihm in der Kabine bzw. nach dem Spiel gesagt haben. Solch ein egoistisches Verhalten schadet nicht nur der Stimmung innerhalb der Mannschaft immens, sie ist ein weiterer peinlicher Eintrag in der Personalakte des zur Grosspurigkeit neigenden Claudio.

Besonders lobenswert am Samtag: Roy Makaay. Der Torjäger stellte sich in den Dienst der Mannschaft und war sich nicht zu schade mehr als jeder andere Bayernspieler auf dem Platz zu laufen. Auch Abseits des Fußballs präsentiert sich der Holländer meist als höflich, bescheiden und ohne jegliches affektiertes Stargehabe. Das kommt an bei den Fans, der Mannschaft und der Chefetage.

Falls Pizarro wirklich einen neuen Vertrag in München haben möchte, sollte er sich ein Beispiel an ihm nehmen und zwar schleunigst. Ansonsten sollte sich der FC Bayern bereits heute schon nach neuen Stürmern umsehen.

Masochistische Klagelieder auf hohem Niveau

    DFB-Pokal 2. Runde 06/07: Bayern München gegen 1. FC Kaiserslautern 1:0 (0:0)

Der Fußballfan als solcher ist in erster Linie eines: Masochist. Für diese Erkenntnis braucht es nicht mal einen Hornby. Anders lässt sich das zumeist auf 90 Minuten begrenzte ritualisierte Leiden im wochen- bzw. 3-Tages-Rhythmus nicht erklären. Warum sonst habe ich mir heute das Ballgeschiebe gegen die Bauern den 1. FC Kaiserslautern angetan?

Dieses Spiel heute war ein weiterer Beweis dafür, wie schwer wir uns gegen mauernde Mannschaften tun. Darum war es wie immer: Herausgespielte Torchancen? Fehlanzeige! Ideen aus dem Mittelfeld? Nichts! Gelungene Pässe nach vorne? Keine. Okay, der Pass des der 2,7 Mio teuren Blindgängers „Bombe“ Dos Santos auf Poldolski werte ich mal als halben.
Aber das war´s dann auch schon. Der Rest bestand aus den üblichen Bällen aus dem Halbfeld, unpräzisen Schüssen und (ganz neu im Programm!) peinlich verstolperten Bällen.

Gut, dass Lauterer unwillig und unfähig waren irgendwas nach vorne zu tun, dürfte ja niemanden überrascht haben, aber wie unfähig und quälend sich der FC Bayern in dieser Saison bisher gegen äußerst defensiv agierende Mannschaften anstellt, ist für mich jedes Mal aufs neue ein niederschmetterndes, schmerzhaftes Erlebnis.

Letztendlich klage ich aber auf ganz hohem Niveau: Während mit Lüdenscheid, Schlacke 04, Bremen, Hamburg, Gladbach und Leverkusen bisher auffällig viele Bundesligisten schon die Segel streichen mussten, dürfen wir ins Achtelfinale einziehen. Und am Sonntag ist die Auslosung. Eigentlich sollte mir egal sein, gegen wen es dann geht, aber als psychisch gestörter hoffe ich in krankhafter Weise auf ein Los wie Unterhaching, Osnabrück, Burghausen, Fürth…

David Beckham zum FC Bayern? Gerne doch!

Lieber Uli Hoeneß!

Lesen sich doch nicht nur den Fehlpass, sondern auch mal diese Worte von Herrn Jürgen Schmieder von der SZ.

Warum also nicht? Auch taktisch würde Beckham in das Konzept von Felix Magath passen: Ottl oder Hargreaves auf der Position vor der Abwehr. Schweinsteiger, van Bommel und Deisler streiten sich um die Halbpositionen, David Beckham spielt hinter den Spitzen. Ja, richtig gelesen: Beckham ist kein reiner Flankenläufer.
Zwar hat er in den vergangenen Jahren meist auf dem Flügel oder in einer Halbposition gespielt, kann aber durchaus auch den Spielmacher in der Zentrale geben – wie zum Beispiel beim legendären 1:2 der Bayern gegen ManU in Barcelona. Und genau dieser Spielertyp geht den Bayern in dieser Saison ab – auch wenn sie es noch nicht so recht wahrhaben wollen.

Also ich wäre schon so verzweifelt – Sie nicht?

Mit freundlichen Grüßen,

Yalcin Imre

Bremer Sieg gegen die bayrische Ideenlosigkeit

So langsam könnte ich mich an die zwei Gesichter des FCB gewöhnen: Wenn Bayern unter der Woche in der Champions League einen Sieg einfährt bedeutet das für das Spiel am Wochenende und damit auch für das Punktekonto in der Bundesliga, nichts Gutes. Glückliches 2:1 in Bochum, 1:2 in Bielefeld, 0:1 in Wolfsburg, und jetzt 1:3 in Bremen – so lautet die magere Auswärtsbilanz dieses Jahr.

Keine Frage: In Bremen kann man verlieren. Aber die Art und Weise wie sich die Mannschaft bis zum 2:0 durch Womé präsentiert hat, ist mehr als besorgniserregend. Die Bremen haben Selbstbewusstsein ausgestrahlt – vor und während des Spiels – haben vor allem in der ersten Halbzeit spielerisch und kämpferisch überzeugt und dann in der zweiten Halbzeit die Führung souverän über die Zeit gebracht. Alles Fähigkeiten die einst mal den FC Bayern München auszeichneten.

Bremen hat gezeigt woran es in München hapert: Neue Spieler wie Diego, Womé, Mertesacker und Fritz wurden bereits im ersten drittel der Saison erfolgreich in die Mannschaft integriert. Die Mannschaft hat zu einem systematischen Spiel gefunden, das auch mit einem Klose mit temporärer Ladehemmung und einem verletzten Borowski bereits 21 Torerfolge feiern konnte. Thorsten Frings ist als zentraler Mann im Mittelfeld das Bindeglied von Offensive und Defensive. Antreiber und Abräumer in Personalunion mit einem begnadeten Diego als Offensivwaffe. Die Mannschaft hat Struktur und wirkt bereits nach dem 8. Spieltag sehr gefestigt und selbstbewusst.

Anders dagegen der FC Bayern: Die Abwehr mit Lahm, Lucio, Van Buyten und Sagnol nominell sehr gut besetzte Abwehr hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Das Mittelfeld mit Schweinsteiger, Ottl, Van Bommel und Salihamidzic gleicht einem Hühnerhaufen. Torchancen sind meist das Ergebnis von Zufallsprodukten. Eine überraschende Idee oder einen roten Faden im Spiel nach vorne, sucht man vergebens. Deswegen hängt auch der Sturm bisher meistens in der Luft, unabhängig davon ob eine Podolski spielt oder nicht. Wer soll denn die Stürmer in Szene setzen, wenn das Mittelfeld komplett versagt?

Wie schon mehrmals erwähnt gibt es im bayrischen Kader keine Alternativen um den Rückstand auf Bremen zu kompensieren. Ich würde jetzt nicht soweit gehen wie Willy Sagnol, der die Hinrunde bereits abgeschrieben hat und darauf hofft sich in der Winterpause einspielen zu können, aber spätestens in der Winterpause muss dringend im Mittelfeld noch in Form von ein- bis zwei Spielern nachgelegt werden. Ansonsten werden wir in dieser Saison nicht nur von Bremen den Schneid abkaufen lassen, sondern sehen aus bei unseren Auftritten in Mainz, in Aachen und in Cottbus ganz ganz schlecht aus – und das nicht nur am Ende der Champions League-Wochen.

Sporting Lissabon – FC Bayern München 0:1

Der dritte Sieg im dritten Spiel der Champions League ist vor allem einer guten kämpferischen Leistung der Mannschaft, sowie Fernschütze Schweinsteigers Vorliebe beim portugiesischen Nationaltorhüter einzunetzen. Wie schon bei seinen Toren im WM-Spiel um Platz 3 gegen Portugal, überwand der Münchener Prinzenknappe Torwart Ricardo mit einem fulminanten Schuss aus über 30 Metern, der unten rechts einschlug. Der Treffer war die Krönung der ca. 20 Minuten langen bayrischen Offensivbemühungen, in denen u.a. Pizarro ein klarer Elfmeter verwehrt blieb.

Doch nach dem Führungstreffer kippte das Spiel: Angetrieben von ihren frenetischen Fans spielten von da an nur noch die Portugiesen mit der Wut eines feurigen spanischen Stieres im Bauch. Oliver Kahn musste einige Male sein ganzes Können aufbieten um den Ausgleich zu verhindern.

Gerade mal zwei Minuten nach Wiederanpfiff sorgte Schweinsteiger für sein zweites Highlight des Abends: Nachdem er den Ball gegen den eingewechselten Yannick verloren hatte, grätschte er diesen ab und sah dafür seine zweite gelbe Karte und durfte auch gleich wieder unter die Dusche.

Sporting drängte dann in der Folgezeit aufgrund der Überzahl in die bayrische Hälfte, war aber nicht clever genug um die aufopferungsvoll kämpfenden Bayern Mannschaft zu überraschen. Ein großes Lob auch an den norwegischen Schiedsrichter Hauge, der die zahlreichen Schwalben von Lissabon konsequent ignorierte. Die gut gestaffelte Bayern Abwehr sorgte dafür das die Portugiesen niemals wirklich große Torgefahr ausstrahlten. Nur bei wenigen Erfolg versprechen Aktionen musste Kahn zur Stelle sein.

So heißt es also: Nach drei Spielen bereits 9 Punkte auf dem Konto und unangefochten Platz eins in Gruppe für den FC Bayern München. Damit hat der Rekordmeister bereits am nächsten Spieltag in zwei Wochen, zuhause in der Allianz Arena, im Rückspiel gegen Sporting Lissabon die Chance, mit einem Sieg den Einzug ins Achtelfinale vorzeitig klar zu machen.

Undercover

…gehts in ein paar Stunden in die schöne Hansestadt Hamburg. Am Samstag werde ich in der AOL Arena zum ersten mal ein HSV-Heimspiel erleben. Da jeder bessere Fans hat als wir, glaube ich jetzt schon das es toll wird. Und Hamburg gewinnt am Samstag 3:1 gegen Schlacke04. Einfach so. :)

Hören statt lesen…

ligashow-logo.gifund zwar die Die LigaShow. DieLigaShow ist der erste vereinsunabhängige, deutsche Bundesliga-Podcast. Die Ligashow ist auch erhältlich über iTunes.

Gebt den kleinen eine Chance: Warum brauchen wir Spiele gegen San Marino, Georgien und Co.? Zu Gast: Yalcin Imre von Fehlpass.com

Der Teil über die schlechte Form des FC Bayern München wurde wohl aus Zeitgründen gestrichen, hätte aber auch thematisch nicht so ganz dazugepasst. Egal, darf halt Matthias das nächste mal länger über die Bayern zetern.

Bayrische Phantomschmerzen

Die Aussicht auf das jetzige Wochenende ohne Bundesligaspieltag sollte einen Bayern-Grantler wie mich ja eigentlich beruhigen, denn keine Bundesligaspiele am Wochenende, bedeuten auch keinen Grottenkick des FC Bayern München, den ich aufgrund der spielerischen Armut nur unter Schmerzen ertragen könnte. Doch trotz Länderspielpause fühle ich die typisch sonntäglichen Nachschmerzen.

Es sind die Nachwirkungen der 0:1 Niederlage in Wolfsburg. Der Auftritt des Rekordmeisters letzte Woche war dermaßen schlecht, dass ich mir heute noch beim Anblick der plan- und ideenlosen Spielzüge aus der zweiten Halbzeit, wenig mehr als ein Kopfschütteln übrig bleibt.

Das wahrhaft beängstigende bei diesem Ballgeschiebe war nicht mal das Ergebnis an sich, sondern die bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison deutlich erkennbare Tendenz dass wir uns gegen sehr defensiv eingestellte Gegner, schwerer tun werden als die Jahre zuvor. Die Schuld allerdings gleich bei den Stürmern zu suchen ist allerdings ein Holzweg, denn es liegt ja nicht daran, dass die Angreifer reihenweise Chancen vergeben würden – wir schaffen es nicht einmal, uns überhaupt Einschussmöglichkeiten zu erarbeiten!

Nun war es die letzten Jahre auch nicht so, das man solche Mannschaften regelmäßig mit schnellem, gradlinigem Spiel nach vorne zerlegte, doch immer produzierte das Mittelfeld genug Torchancen für einen Elber, Pizarro, Makaay oder eben Michael Ballack um mit 1:0 in Führung zu gehen. Gerade letztgenannter hat sich auch dadurch hervorgetan, dass er oft das wichtige 1:0 gemacht hat. Somit musste der Gegner dann aufmachen und die Bayern hatten Platz für ihre Konter.

Momentan haben wir aber weder einen Ballack, noch einen anderen Spielmacher der uns durch ein- oder zwei lichte Momente in Führung bringen könnte. Das offensive Mittelfeld des FCB ist, genau wie übrigens die rechte Außenbahn, spielerisches Brachland.

Spieler wie Roque Santa Cruz, Owen Hargreaves und Ali Karimi in der Zentrale sowie Mark van Bommel und Hasan Salihamidzic auf dem rechten Flügel erfüllen die Anforderungen an diese Positionen bisher nur leidlich. Was sich Trainer Felix Magath bei seiner wöchentlichen Mannschaftsaufstellung denkt, wird wohl vorerst sein Geheimnis bleiben, denn ein Spielmacher wird Roque Santa Cruz in diesem Fußballerleben nicht mehr, Van Bommel ist eigentlich im zentralen Mittelfeld zuhause und Brazzo hat seinen Leistungszenit bereits schon einige Jahre hinter sich. Leider.

Bei einem Blick auf die Offensivalternativen im Kader könnte Magath einem aber auch fast schon Leid tun. Außer einem in Würde alternden (bald 36jährigen) Mehmet Scholl und einem jungen Spielmacher ohne jegliche Spielpraxis Julio dos Santos, bleibt da nur ein psychisch wie physisch anfälliger Sebastian Deisler.

Wie sollte sich so eine Mannschaft, fast gänzlich ohne Spielkultur, Torchancen herausspielen können, wenn der Gegner nur VfL Wolfsmauer, Aachener Steilwand oder Beton Bielefeld heißt? Durch Einsatz, Kampf und Motivation – genau das, was diese Mannschaft gegen die Weltauswahl von Inter Mailand gezeigt hat. Diese Motivation und Konzentration muss gerade in dieser schwierigen Saison des Umbruchs auch gegen die kleinen grauen Mäuse aus der Bundesliga gelingen. Dies der aktuellen Mannschaft einzuimpfen, ist momentan die essentielle Aufgabe des Trainers Felix Magath. Sollte er daran scheitern, wird ihn auch sein langfristiger Vertrag nicht vor dem Rausschmiss schützen.