Die Leiden des Willy Sagnol

In manchen Momenten bleibt einem nichts weiter übrig als zu Fluchen. Und zwar und für alle vernehmbar. Jetzt wäre wieder so ein Moment, denn -wie gerade erfahren- hat sich Aussenverteidiger Willy Sagnol einen Teilanriss der Achillessehne zugezogen.

Seinem Berater zufolge wurde der Franzose bereits gestern Abend operiert und soll „mindestens“ 5 Wochen fehlen, wobei inoffiziell sicherlich mit einer viel längeren Genesungsdauer gerechnet wird, denn für einen Achillessehnenanriss sind 3 Monate und mehr keine Seltenheit.

Dass es den französichen Nationalspieler getroffen hat ist mehrfach bitter. In der letzten Saison hatte er sich nur langsam von einem Meniskusschaden erholt und kam nur auf wenige Einsätze. Dabei konnte Sagnol allerdings kein einziges Mal seine Aufstellung rechtfertigen.

Auch in den Vorbereitungspielen jetzt konnte er IMHO nicht überzeugen. Viel mehr verfestigte sich der Eindruck aus der letzten Saison, dass Willy Sagnol seinen Zenit weit hinter sich gelassen hat. Ob er jemals wieder in Form kommt bzw. Stammspieler in München wird, bezweifele ich aufgrund der erneuten Verletzung, sowie der vielen Alternativen für die rechte Aussenverteidigerposition (Lell, Lahm, Altintop).

34. Spieltag: FC Bayern München – Hertha BSC Berlin 4:1 (3:0)

Abschied nehmen hieß es am Samstag und zwar nicht nur von Ottmar Hitzfeld und Oliver Kahn, sondern auch von Schiedsrichter Markus Merk, Jan Schlaudraff, dem Trainerstab und dieser Bundesligasaison 2007/2008. Natürlich bin ich etwas traurig, aber alles in allem bin ich froh, dass es vorbei ist.

Kahn Hier, Hitzfeld da… die Berichterstattung über den gleichzeitigen Abgang von zwei Großen der Bundesliga übertrat IMHO die Grenze zum Medienoverkill. Jetzt geht’s auf Asien-Reise bzw. in die EM-Vorbereitung und der ganze Pulverdampf der letzten Wochen und Monate kann sich legen, bevor Jürgen Klinsmann das Zepter übernimmt.

Eigentlich hätte man nach der tränen- und blumenreichen Verabschiedung von Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld vor Spielbeginn direkt zu Siegesfeier auf den Marienplatz gehen können, aber da waren ja noch 90 Minuten zu absolvieren. Hitzfelds Gefühlsausbruch fand ich rührend, da es zeigt, dass er – alle Kritik an ihm mal außen vor gelassen – wirklich mit ganzem Herzen bei der Sache FC Bayern war. Das gibt es nicht mehr oft im Profigeschäft. Danke dafür!

Da es auch für Hertha um nichts mehr ging, erwartete ich einen müden Durchschnittskick, aber Toni, Ribery und Co. wollten zum Abschied schon auf dem Platz mit den Feierlichkeiten beginnen. Hertha BSC, die sich sehr sympathisch mit einem Spruchband bei OK & OH verabschiedeten, hatten sich wohl entschieden, die Feierlichkeiten nicht zu verderben und ließen die Bayern nach Belieben wirbeln. Vielleicht war es ja auch die Berliner Vorfreude über die Fair-Play-Wertung des zu vergebenden UEFA-Pokal-Platzes, ob dem die Hauptstädter sich in vornehmer Zurückhaltung übten? Egal.

Toni mit seinen Treffern 22-24 Torschützenkönig der Bundesliga – und dazu noch Ribéry – sorgten für die sportlichen Highlights an diesem Nachmittag.

Siegerehrung auf Dailymotion

Emotionaler Höhepunkt war aber die Auswechslung von Oliver Kahn in der 88. Minute. Das hatte etwas von einer Übergabe a la „Ich habe meinen Job erledigt. Jetzt bist du dran!“. Schöne Geste (auch wenn ich nicht von Rensings Qualitäten überzeugt bin, aber das ist ein anderes Thema). Auch locker: Der Trikottausch des scheidenden Schiedsrichters Markus Merk mit Oliver Kahn, sowie die herzlichen Umarmungen.

Dazu noch die tolle Stimmung in der Allianz-Arena und Schabernack von Ribéry bei der Übergabe der Schale… Zusammen mit der langatmigen Warterei Meisterfeier inklusive der Meister-Präsentation, „Humba!“, dem unsäglichen Willy Astors „Olli/Ottmar wir lieben dich!“ und natürlich „We are the Champions!“ ein schöner und gelungener Saisonabschluss.

28. Spieltag: FC Bayern München – Borussia Dortmund 5:0 (4:0)

FC Bayern gegen Borussia Dortmund – eine Paarung die in der Vergangenheit eigentlich alles andere als Balsam für geschundene Bayern-Nerven gewesen ist. Auch an diesem Wochenende hatte ich – wie sicherlich die meisten Anhänger – eine intensive, umkämpfte Begegnung erwartet. Gerade nach den psychisch wie physisch fordernden 120 Minuten bei Getafe, wäre ich ehrlich gesagt schon mit einem Unentschieden zufrieden gewesen.

Aber es kam ja ganz anders. Kaum hatte ich Platz genommen ging traf auch schon Podolski zur Führung und eröffnete damit 22 – stellenweise traumhafte – Minuten, in denen unterirdischen Dortmundern die Pille von entfesselnd aufspielenden Bayern um die Ohren gehauen wurde.

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Diese Laufbereitschaft und Spielfreude von Ze Roberto und Schweinsteiger, die Souveränität und Ruhe mit der Demichelis hinten stand und das Spiel eröffnete, zusammen mit der Agilität und Treffsicherheit von Luca Toni waren die leckeren Zutaten für vorzügliche Fußballkost am Sonntag.

Aber – auch wenn es sich nach solch einem Auftritt komisch liest – nicht alle Spieler präsentierten sich in Topform. Sagnol und Sosa fielen gegenüber den anderen Kollegen im Mittelfeld fast gar nicht auf, aber das lag eher daran dass die anderen im Team einen guten Tag erwischt hatten.

Mit 10 Punkten Vorsprung am 28. Spieltag der Bundesliga sollte in der Meisterschaft eigentlich nichts mehr schief gehen. Aber trotzdem wäre es IMHO zu früh um zu feiern, denn gewonnen ist noch GAR NICHTS.

Erst wenn rein rechnerisch der Titel im Sack ist und nächsten Samstag der Pokal von Oliver Kahn triumphal in die Höhe gereckt wird, kann gefeiert werden. Und vielleicht ist sogar eine ganz große Party am 14. Mai in Manchester möglich. Man(n) wird ja wohl noch träumen dürfen… :)

Was Luca Toni nicht kann

Er ist eigentlich sein Gewicht in Gold wert: 16 Tore in der Bundesliga, 7 im UEFA-Cup und 3 Toren im DFB-Pokal – Luca Toni ist zur Zeit einer der gefährlichsten Angreifer im europäischen Fußball. Trotz seiner Größe von 1,94 m und seines tapsig wirkenden Bewegungsablaufes verfügt er über eine gute Schusstechnik und das Torjäger-Näschen, was ihn so oft an der richtigen Stelle stehen und/oder das richtige tun lässt. Zusammen mit seiner naturgegebenen körperlichen Robustheit ist er in seiner Effektivität der personifizierte Alptraum sämtlicher Abwehrreihen, insbesondere wenn Toni mit den Innenverteidigern in den Nahkampf geht.

Ausserhalb des Strafraums so harmlos wie ein Hoppelhäschen - Luca Toni
Je „grüner“ desto harmloser – Luca Toni

Doch außerhalb des Strafraumes verliert „Il Bomber„, wie der italienische Nationalstürmer in Anlehnung an Gerd Müller genannt wird, seinen Schrecken. Weicht Luca Toni auf die Flügel aus oder lässt sich ins Mittelfeld zurückfallen, macht er das Spiel langsam indem er auf dem Ball steht und einen Rückpass spielt. Man darf froh sein, wenn er den Ball nicht sofort verliert. Denn sobald seine Gegenspieler ihn gestellt haben, hat Toni nicht die Mittel um eine 1-gegen-1-Situation für sich zu entscheiden. Seinen Kontrahenten kann er auch nicht davonlaufen, da er nur einen schnellen Antritt besitzt, dann aber seiner Körpergröße und –Masse Tribut zollen muss.

Er weiß um seine Schwächen und versucht daher den Ball schnell wieder los zu werden, aber er tut das oft überhastet mit unpräzisen Pässen, die – falls Sie überhaupt bei seinen Mitspielern ankommen – meist nicht verwertbar sind. Oft verliert die Spielsituation an Gefahr und es muss, zurückgespielt bzw. neu aufgebaut werden.

Hat er mal vor dem Tor die Wahl zwischen Abspiel und Torschuss, wählt er zumeist letzteres, auch auf die Gefahr hin für einen Egoisten gehalten zu werden. Das ist zwar nicht kollegial aber der bisherige Erfolg in 20 Toren gibt ihm Recht. Solange er weiterhin die wichtigen Tore macht, darf ihn Hitzfeld ruhig am gegnerischen 11-Meter-Punkt anketten, oder ihn gegen eine unsichtbare Wand laufen lassen, ähnlich wie Lucio in der Abwehr.

Der Verein braucht einen eigensinnigen Knipser wie Luca Toni, damit am Saisonende einige Trophäen raus springen. Über die würden sich dann alle Mannschaftskollegen freuen – sogar wenn Sie nicht alle aus Gold wären.

Jetzt neu: Training ohne Fans!

Er lässt das Trainingsgelände an der Säbener Straße für Fans schließen und die Klubgaststätte wird ebenfalls dicht gemacht. Jürgen Klinsmann tritt erst im Juli beim FC Bayern seinen Dienst als Trainer an, allerdings schlagen die Vorbereitungen auf sein Engagement jetzt schon hohe Wellen.

Anstelle der Gaststätte sollen Ruheräume mit Schlafmöglichkeiten und eine Spieler-Lounge gebaut werden. „Wir müssen den veränderten Verhältnissen im Profi-Fußball Rechnung tragen„, begründet Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in der „Sport-Bild“ die Maßnahmen.

Rummenigge weiter: „Jürgen möchte einfach alles professionalisieren. Das ist eine neue Kultur für die Bundesliga. Wir wollten diesen neuen Weg mit Jürgen gehen, und wir sind überzeugt, dass er erfolgreich sein wird.

Und auch wenn die Kiebitze jetzt sauer sind: Ich finde das völlig in Ordnung! Es geht einfach nicht mehr an, wenn im Sommer der Trainingsplatz einem völlig überfüllten Rummelplatz gleicht und der Lärmpegel ein konzentriertes Arbeiten unmöglich macht. Auf den Platz gehören nun einmal keine Fans.

Ich für meinen Teil könnte auch nicht in Ruhe arbeiten, wenn tausende unserer Spieler (ich arbeite bei der Browser-Spieleschmiede Gameforge) mir bei der Arbeit über die Schulter schauen dürften.

25. Spieltag: FC Bayern München – Bayer Leverkusen 2:1 (1:0)

Das Spiel am Samstag war ein Beispiel dafür, wie wenig die nackten Resultate eines Spiels, über dessen eigentlichen Verlauf aussagen können. „Nur“ 2:1 gegen den Tabellendritten gewonnen – das klingt nach einem knappen, ja vielleicht sogar engen Sieg für den FC Bayern, dabei waren die Münchener haushoch überlegen und hätten bei konsequenterer Chancenverwertung 4, 5 oder mehr Tore erzielen können.

Michael Skibbe und seine junge Truppe, im Vorfeld des Spieltages wieder einmal mit jeder Menge Vorschusslorbeeren nach München gereist, zeigten nur in wenigen Momenten, warum sie als durchaus ernst zu nehmender Konkurrent beim Rekordmeister antraten. Aber über das gesamte Spiel hinweg wirkte die Bayer-Elf vor allem in der zweiten Halbzeit unsicher, zaghaft, phasenweise fast schon ängstlich gegen von Beginn an druckvoll und spielfreudig auftretende Münchener.

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Bayer kam alles in allem „dank“ der schlechten Chancenverwertung von Toni, Klose und Podolski und letztlich einem guten Tag von Rene Adler relativ glimpflich davon. Und auch wenn ich das hier schon relativ häufig geschrieben habe: Hoffentlich rächt sich diese Lässigkeit nicht in einem entscheidenden Moment wie z. B. in einem Endspiel.

Aber man soll die Feste ja bekanntlich feiern wie sie fallen: Die Entschlossenheit, mit der Bayern – nicht nur gegen Leverkusen, sondern auch gegen die Konkurrenzen um die Meisterschale wie z. B. Bremen und Schalke – angetreten ist und die vorhandene Qualität im Kader im richtigen Moment gezeigt hat, macht Lust auf mehr und das trotz solcher Ausrutscher wie gegen Cottbus.

Jetzt, wo es in der Liga fast nur noch gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte geht, heißt es für Hitzfeld die Spannung hoch zu halten, damit auf der Zielgeraden kein Schlendrian in der Truppe aufkommt. Wäre doch gelacht, wenn wir uns gegen die Abstiegskandidaten auf die Schnauze legen würden… Und das sogar im wahrsten Sinn des Wortes.

24. Spieltag: Energie Cottbus – FC Bayern München 2:0 (2:0)

Als hätte ich es schon gespürt: 2:0 auswärts gegen Cottbus verloren – da muss ich erst mal schlucken, auch wenn es nicht gänzlich unerwartet kam. Manager Uli Hoeness hatte kurz vor dem Anpfiff noch vor dem schwersten Gegner, nämlich der eigenen Überheblichkeit, gewarnt. Gebracht hat es am Ende nichts.

Jene Überheblichkeit war der eigentliche Grund für diese peinliche, nicht nur körperlich sondern auch gedanklich träge und äußerst öde Vorstellung des FC Bayern in der Lausitz. Über die gesamte Spielzeit sprang nicht eine einzige zwingende Torchance für die Bayern raus – für Energie dagegen so einige, von denen dank Kahn nur zwei reingingen. Das zentrale/defensive Mittelfeld mit Schweinsteiger und Zé Roberto, offensichtlich alles andere als wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, war heillos überfordert und zu keinem Zeitpunkt des Spiels in der Lage, das Geschehen auf dem Platz zu lenken. Vielleicht hätte die Defensive mit einem Demichelis als Abräumer davor besser ausgesehen? Man weiss es nicht. Schade jedenfalls, das er nicht willens war auf der Position zu spielen. Damit hat er dem Team sicherlich keinen Gefallen getan.

Diese Hilflosigkeit gegen die Cottbusser Angriffe machte mich phasenweise völlig fassungslos, denn nie – ich betone – NIE hätte ich geglaubt das der FC Bayern jemals auf diese Art und Weise in der Lausitz untergeht. Wo war denn die Mannschaft mit den Gedanken? Schon beim Halbfinale gegen Wolfsburg? Oder – was wahrscheinlicher ist – bei der Planung diverser Samstagabend-Vergnügungen?

Die Auftritte von Lahm und Schweinsteiger waren zum wiederholten Mal alles andere als ein Vergnügen für die Zuschauer. Schweinsteiger war als ZM, wie vorhin schon erwähnt, keine Hilfe und von Lahm war ebenfalls sogut wie gar nichts zu sehen. Gut, dass Hitzfeld in der Halbzeit gehandelt und statt den beiden Blindgängern Jansen und Sosa reingebracht hat. Die beiden brachten mehr Schwung, allerdings ohne zu glänzen. Sosas Abspiele fluktuieren übrigens zwischen Zuckerpässen und schlampigen, einfach hergeschenkten Bällen. Momentan hat er die Neigung, brotlose Kunst im Mittelfeld zu fabrizieren, wenige Momente mal ausgenommen.

Ribery erging es an diesem Tag ähnlich: Auch bei ihm lief nichts zusammen. Aber warum sollte er immer den Karren aus dem Dreck ziehen? Es kann IMHO nicht sein, dass der FC Bayern abhängig ist von der Form eines Mannes. Natürlich braucht es Genies bzw. Antreiber im Team die die Mannschaft inspirieren und mitreissen, aber was machen denn eigentlich die anderen 10 auf dem Platz? Hauptsache gut im Trikot aussehen? Sind das nicht alles ebenfalls Nationalspieler?

Mir völlig unbegreiflich, was sich diese Spieler heute erlaubt haben.

Jetzt sind Trainer und Spieler gleichermaßen gefragt: Am Mittwoch muss gegen Wolfsburg gewonnen werden und das möglichst souverän. Ansonsten sind die Hyänen rund um den FC Bayern wieder in Sicht und wer weiss – vielleicht vereiern wir doch noch wie von mir befürchetet alle drei Titel. Nach so einem Tag traue ich den Bayern wortwörtlich alles zu. Leider.

23. Spieltag: FC Bayern München – Karlsruher SC 2:0 (1:0)

Mein Verhältnis zum KSC lies sich in wenigen Worten beschreiben: Ich mochte ihn nicht – und das als echter Badener! Selbst die Sternstunde der Karlsruher gegen Valencia im Uefa-Cup 1993 hat bei mir keine nachhaltigen Sympathien hinterlassen. Warum das so war, kann ich bis heute nicht erklären. Vielleicht war es nur der Neid auf die vielen Freunde und Kollegen, die zu den Heimspielen ihres Vereins nur 20km zu fahren hatten, während ich als Jugendlicher die nahezu unüberwindbare Distanz von ca. 300km zum Olympiastadion in München hatte… ;-)

Heute dagegen entwickle ich offenkundig Symphathien für den Aufsteiger – und das nicht um gönnerhaft zu tun – sondern um den erfolgreichen Fussball, den Ede Becker mit bescheidenen Mitteln spielen lässt, anzuerkennen.

Das Spiel begann trotz fünf Umstellungen von Hitzfeld schleppend. Das Mittelfeld war zwar von Beginn an in Bewegung, jedoch fanden die Positionswechsel viel zu langsam statt – kein Problem für die defensiv gut aufgestellten Karlsruher. Erst mitte der 1. Halbzeit bekam Bayern mehr Spielanteile und kam auch zu einigen Chancen, die der gute KSC-Torwart Miller noch abwehren konnte.

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Beim 1:0 durch Luca Toni war aber auch er machtlos. Nach einen Zuspiel von Lell, verschafft sich der Italiener gerade genügend Freiraum um sich einmal um seinen Bewacher Mike Franz zu drehen und dann einzunetzen. Nach der verdienten Führung ging es dann auch in die Pause.

Der KSC kam engagierter aus den Kabinen und bemühte sich offensiver als in der ersten Hälfte zu spielen, allerdings ohne wirklich gefährlich vor das Bayern-Tor zu kommen. Nach dem tollen Ribéry-Solo auf 2:0 war das Spiel dann gelaufen, in dem es gegen Ende noch einige Gelegenheiten für die Hausherren zum 3:0 gab, die allerdings nicht mehr genutzt wurden. Der KSC kam nur noch einmal durch Hajnal zu einer Torchance.

Der souveräne Sieg gegen Karlsruhe verschafft den Bayern zwar einen komfortablen 7-Punkte-Vorsprung auf Platz 2/Werder Bremen, allerdings ist die Messe, was die deutsche Meisterschaft angeht, noch lange nicht gelesen. Die nächsten englischen Wochen werden strapaziös für die Mannschaft werden. Hitzfeld tut gut sich seines gesamten Kaders zu bedienen, um Spieler wieder zu Kräften kommen zu lassen, ohne in eine Zwickmühle wie in der Hinrunde zu geraten.

Apropos Teufelskreis als Zwickmühle: Allem Anschein nach wird es beim KSC in der nächsten Saison zu einem wahrnehmbaren Verlust an Spielkultur kommen. Trainer und Manager müssen aufpassen, daß nach dem Abgang von Hajnal (Dortmund) und Eggimann (Hannover95+1), der Kader nicht gänzlich ausgehöhlt wird. Die Begehrlichkeiten hat man durch die vielen guten Auftritte in dieser Saison selbst geweckt.

21. Spieltag: FC Bayern München – Hamburger SV 1:1 (0:0)

Nix is´ mit der Vorentscheidung um die Deutsche Meisterschaft. Bayern hat den Ausrutscher der Bremer nicht ausnutzen können um auf 6 Punkte wegzuziehen. Dabei war man besser über weite Teile des Spiels besser als die alles niedertrampelnde Stevens-Truppe.

Nach schleppendem Beginn entwickelte sich in der ersten Halbzeit ein Spiel, bei dem die Kontrahenten eher versuchten keine Fehler zu machen und konsequent das eigene Tor zu verteidigen, anstatt selbst den Torerfolg zu suchen. Zu zaghaft war der FC Bayern im Spiel nach vorne, zu uninspiriert in seinen Angriffsbemühungen. Selbige fanden beim HSV in der ersten Halbzeit überhaupt nicht statt. Die Kampfschweine Jarolim und De Jong räumten kompromisslos alles ab, was sich in ihre Hälfte wagte, und das Taten sie mit allen Mitteln, vor allem mit den schmutzigen.

Okay, teilsweise verstehe ich das sogar: Der einzige Offensivspieler mit internationalem Format sitzt auf der Bank, die Alternativen auf dem Platz sind nicht gerade das Gelbe vom Ei und der gegner muß im eigenen Haus das Spiel machen. Kein Ding, aber _muss_ mann denn wirklich so gallig, so dreckig spielen, dass selbst ein Gennaro Gattuso gestern über die Menge an Gift gestern auf dem Platz erschocken weggelaufen wäre?

Dreckschweine allesamt: Guerrero, Jarolim und De Jong auf der einen, aber auch Van Bommel auf der anderen Seite. Schrecklich anzuschauen, die erste Halbzeit. Aber nicht nur wegen der Treterei, sondern auch wegen der phlegmatischen Angriffe der Bayern, die ideenlos nach vorne getragen wurden, nur um dann von einer vielbeinigen hamburger Abwehr wieder abgefangen zu werden. Eigentlich sollte der Rekordmeister doch verstanden haben, dass man einen solchen Defensivverbund nur mit schnellen, überraschenden Aktionen überwinden kann? Aber davon war überhaupt nichts zu sehen, also neutralisierten sich die Mannschaften gegenseitig.

Tore, Tritte, Platzverweise – Alle Highlights auf Dailymotion

Genauso schien es auch in der zweiten Halbzeit zu laufen, aber gerade als die Münchener wieder das Spiel an sich nehmen wollten, traf Ölitsch Olic zum 0:1, nachdem Lucio mit einem RIESENBOCK vor dem eigenen Strafraum den Ball verschenkte. Warum passieren dem immer solche Dinger? Oder passieren sie ihm gar nicht so häufig und es liegt nur an meiner Wahrnehmung? Sei´s drum.

Sofort im Anschluss daran kam Ribéry und mit ihm kam Bewegung und Tempo ins münchener Angriffsspiel, die Partie an sich gewann an Intensität. Die Bayern waren sofort am Drücker und natürlich war es auch Ribery, der Ze Roberto den Ball zum Ausgleich auflegte.

Danach war die Stimmung in der Allianz Arena auf dem Höhepunkt („Scheiss TSV!“), das Spiel wurde unruhiger, hibbeliger – genau wie ich. Die Bayern drängten auf die Führung und hatten auch mehrere Chancen, von denen Toni wieder einmal eine verwandelte, was aber das Schiedsrichtergespann als Abseitstor wertete. Kurz vor Schluss brannten dann bei van Bommel die Sicherungen durch. Sei´s drum. Auch ihn und seinen Frust kann ich verstehen.

Was mich momentan zur Weissglut bringt: Das Spiel läuft zur Zeit TOTAL an Klose vorbei. Kombinationen werden über Ze Roberto, Altintop und Toni angekurbelt, währen Klose nur nebenher läuft. Podolski macht – nicht nur wegen der zwei Tore gegen Aberdeen – einen agileren, geistig frischeren Eindruck und sollte auf Schalke eine Chance neben Toni erhalten. Klose tut nämlich _nichts_ für das Spiel, die Mitspieler spielen den Ball lieber wieder zurück als auf ihn – de fakto treten wir also nur mit Toni als einzigem Stürmer und damit zu zehnt an. Schweinsteiger nicht ganz so glücklos wie der Nationalstürmer, aber trotzdem um Längen schwächer als Altintop auf der rechten Seite.

Ich weiss ich wiederhole mich, aber bitte bitte bitte lieber Herr Hitzfeld: Lieber Kroos oder Sosa, aber nicht mehr Schweinsteiger. Und wie wäre es mit Podolski für Klose von Beginn an?